Anleitung

Das Thema unserer Untersuchung ist „playing as being“ (als Sein zu spielen), aber was bedeutet das, und wie sollen wir spielen? Was folgt ist eine Anleitung.

Erster Schritt

In Vorbereitung auf dieses Abenteuer, denke einen Moment lang über den Unterschied nach zwischen dem was Du bist und dem was Du besitzt. Man sagt „Ich bin Französin“ oder „Ich bin Franzose“ oder „Ich bin ein Tischler“, aber in all diesen Fällen könnte man stattdessen sagen „mein Geschlecht ist weiblich“ oder „meine Staatsangehörigkeit ist französisch“ oder „mein Beruf ist die Tischlerei“. Anders ausgedrückt, wir können uns all diese Eigenschaften als etwas vorstellen das wir besitzen, ohne sie mit etwas zu identifizieren was wir sind.

Eine interessante Frage ist, ob wir eine Freiheit von Identifikation erreichen können. Ohne Identifikation die wir &bdquo„tragen“ zu negieren, wie Geschlecht, Nationalität, Beruf, können wir sie dennoch mit Leichtigkeit tragen, ähnlich wie bequeme Kleidung. Wir können unsere Identifikationen mit uns tragen ohne uns so vollständig mit ihnen zu identifizieren, dass es keinen Platz gibt für die Vorstellung, dass diese Eigenschaften andere Formen annehmen könnten. Können wir und alles was wir uns normalerweise als etwas das wir sind vorstellen, als etwas das wir haben vorstellen? Können wir alle „Seins“ als „Habens“ betrachten, als wären alle „Seins“-Schalen einfach nur Lagen einer Zwiebel, ohne die Gegenwart eines unangefochtenen festen Kerns?

Wir müssen an dieser Stelle nicht zu einer endgültigen Antwort gelangen. Mit der Frage zu spielen ist ein guter Anfang.


Zweiter Schritt

Der zweite Schritt unserer Vorbereitung liegt darin, eine Vorstellung oder ein Bild zu erzeugen davon was die ultimative Wirklichkeit ist, und diesem Bild vorübergehend den Namen „Sein“ zu geben. Dies ist ein schwieriger Schritt, weil die Worte „ultimativ“ und „Wirklichkeit“ nicht wortwörtlich und konzeptuell, sondern als Hinweise oder Zeiger gesehen werden sollten. Aber wir müssen irgendwo anfangen, und ein grosser Teil unserer Untersuchungen wird darin bestehen, unser Verständnis davon zu verbessern, was dieses „Sein“ möglicherweise bedeuten könnte. Offenheit gegenüber der Möglichkeit bedeutende Veränderungen in unserem Verständnis von „Sein“ vorzunehmen, ist eine wichtige Vorraussetzung dafür in unser Abenteuer aufzubrechen.

Zu Beginn können wir uns die folgende Arbeitshypothese vorstellen: alles das uns erscheint, ist (auf eine Art und Weise die wir noch untersuchen müssen) repräsentiert durch „Sein“. Eine Art und Weise mit dieser Arbeitshypothese umzugehen, ist die folgende Hausaufgabe: Nimm die Gegenwart von Erscheinung als Repräsentation von „Sein“ wahr. In vielen verschiedenen Situationen, mache eine Pause: überlege alles was vor Dir erscheint, gleichermassen innerhalb Deiner Gedanken und Deiner Gefühle, als auch in der Welt ausserhalb Deiner Selbst, und nehme einfach seine Gegenwart war, während Du sie als gegeben im „Sein“ (in gewissem Sinne; die Bedeutung kann sich verändern) betrachtest.

Es gibt Parallelen und Unterschiede zwischen dieser Art von Untersuchung und verschiedenen kontemplativen Übungen. Im Taoismus koennten wir versuchen, alles als gegeben innerhalb und ausserhalb des Taos zu sehen. In monotheistischen Religionen koennten wir uns alles als Gott-gegeben vorstellen. Im Buddhismus koennten wir und alles als gegeben in Leere und So-Sein vorstellen. Vielleicht findest Du es hilfreich mit einer dieser Sichtweisen zu beginnen, aber sogar dann wäre es am besten eine offene Geisteshaltung demgegenüber zu bewahren, wie genau Sein sich einer dieser anderen Dinge gegenüber verhalten könnte.

Format: Eine 1%-Steuer auf die Zeit

Nachdem wir ein bisschen mit dem Unterschied zwischen Haben und Sein gespielt haben, und nachdem wir uns die vielfältigen Erscheinungen des Seins vorgestellt haben, was auch immer das heißen mag, sind wir bereit für den eigentlichen Versuch.

An jedem Tag nehmen wir uns eine oder mehrere Stunden, in denen wir ein 1%-Zeit-Steuer auf unsere Tätigkeiten erheben. Ungefähr jede Viertelstunde verbringen wir etwa 9 Sekunden mit dieser Art von Erkundung (15 Minuten haben 900 Sekunden, daher die 1%-Steuer). In dieser Zeit nimm einen tiefen Atemzug, entspann dich, und konzentriere dich darauf, dich selbst als Sein zu betrachten. Mit anderen Worten, spiele Sein. Unmittelbar danach schreib ein paar Worte auf, was auch immer dir in den Sinn kommt. Halt es kurz, schreib höchstens einen kurzen Satz.

Es wäre optimal, wenn du während der 15 Minuten zwischen den 9-Sekunden-Pause den Begriff des „Sein Spielens“ (Play as Being) im Hinterkopf behalten könntest, um einen Geschmack davon zu bekommen, mit ihm zu spielen, ihn zu betrachten oder im Geist zu halten, wie auch immer es sich am natürlichsten für dich anfühlt. Aber unabhängig davon, wie gut dir das gelingt: Versuche zumindest während der 9 Sekunden, dich auf „Play as Being“ zu konzentrieren, und notiere dann einen kurzen Einzeiler, der wiedergibt was dir spontan in den Sinn kommt.

Am Anfang mag es dich mehr als 9 Sekunden kosten, und allein schon dein Heft zu öffnen (sei es aus Papier oder elektronisch) und die Stelle zum Schreiben zu finden, könnte die gesamte Zeit in Anspruch nehmen. Das macht nichts, denn wenn du das regelmäßig machst, wird dieser Prozess schneller und natürlicher ablaufen. In nicht allzu langer Zeit wird er dir zu einer Art zweiten Natur werden. Die Regelmäßigkeit wird dich auch zwischen den 9-Sekunden-Pausen mehr an „Play as Being“ denken lassen, und das wird es dir einfacher machen, den Faden für deine Notizen in den 9 Sekunden schnell wieder aufzunehmen.

Anmerkung: Forschung

Wenn all das wenig Sinn für dich macht, mach dir nichts draus. Als ich diesen Blog eröffnete, habe ich diesen Versuch selbst zum ersten Mal begonnen. Ich wäre mehr als froh, Gedanken und Erfahrungen mit dir auszutauschen und über jeden Aspekt zu diskutieren, über den du sprechen oder schreiben möchtest. Ich bin gerne bereit, die Rolle des Moderators und wo nötig auch Mentors zu übernehmen, aber ich bin sicher, dass ich von euch allen genau so viel lernen kann wie ihr von mir.

Die Hauptsache ist, dass wir daraus eine Art gemeinsame Forschung machen können, in der wir Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen unseren Zugängen vergleichen können, und zwischen den Resultaten, die wir finden. Wenn wir eine Gemeinschaft von Gleichgestellten bilden können, die Tag für Tag die Realität im Labor unseres eigenen Lebens erkunden, wenn wir miteinander teilen, was wir sehen und lernen, habe ich nichts weiter zu wünschen.

Ich hoffe, dass zumindest einige von euch, die das lesen, bereit sind diesen Versuch zu wagen, für eine Stunde am Tag oder länger, wie es euch passt. Die aufzuwendende Zeit ist gering, nur ein paar Minuten am Tag, selbst wenn ihr es während mehrerer Stunden am Tag macht. Das Hauptproblem wird wahrscheinlich die Disziplin sein, euch daran zu erinnern, es überhaupt zu tun. Und es ist nicht nötig, euch für einen längeren Zeitraum zu verpflichten: Es ist schon interessant, es für ein paar Tage zu probieren, obwohl natürlich ein paar Wochen oder Monate oder länger euch eine bessere Chance geben, wirklich in die Tiefe zu gehen.

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